idee


Großstadtstraßen, Fuß-Gänger-Zonen.

Meine Erfahrung beim Beobachten und Fotografieren war die dass tatsächlich jeder Einzelne auf seine Weise der Betrachtung wert ist. Einen der Passanten, egal ob jung, alt, hip oder konventionell, aus dem Bild zu entfernen, scheint unmöglich. Er würde eine Lücke hinterlassen, dem Ganzen fehlte etwas Unersetzliches. Wie aus gleichgültiger Masse gleichwertige Personen erscheinen hat durchaus auch eine politische Dimension. Ich meine dass der Geist unseres Grundgesetzes wieder tiefer verstanden werden sollte, was den Respekt für ALLE Bürger dieses Landes, als auch den für Angehörige andere Nationen, angeht. Europa-Krise, und soziale Spaltung, sind aktuelle Stichworte…

Beim Vorgang des Freistellens der Silhouetten wurden mir alle visuellen Details der Person auf eine fast intime Art deutlich. Alles scheint genau so wie es eben in diesem Moment sein muss, als Teil einer höchst persönlichen Geschichte, die Teil der universellen Geschichte ist. Jeder wird hier, auch formal durch die Monochromie und Kontrast-Steigerung, verdichtet zu einer Ikone – seiner selbst.

Das Gehen ist ein Zustand dem üblicherweise keine Aufmerksamkeit gewidmet wird, weil er scheinbar keinem Zweck dient, außer irgendwohin zu kommen wo man dann etwas „tut“.
Es ist verwandt mit dem Zustand des Wartens, das Gehen ist sozusagen ein Warten in Bewegung. Es ist interessant das Gehen bewusst wahrzunehmen, womit man es auch in höherem Maße genießen kann.
Wenn man selbst Passant unter Passanten ist, vorüber Gehender, kann man umschalten zwischen dem Blick auf die Anderen als Hindernisse und amorphe Masse, und einer Offenheit die jeden Einzelnen voll in der Wahrnehmung erscheinen lässt, ohne Wertung oder Kommentierung.
nn-passanten


Fragmente: Die Masse, quasi mit dem Mikroskop betrachtet.
Masse genauer betrachtet: Individuum.
Dann: neue Wahrnehmung der Masse.
Aufhebung von Stereotypen, sowohl im Hinblick auf die eigene, als auch die andere Kultur.
Die Unterschiede innerhalb einer Nation sind viel größer als die Unterschiede zwischen Nationen (die allerdings schwieriger zu definieren sind, da Tendenzen und Durchschnittswerte berücksichtigt werden müssen).
Würde des Einzelnen, jedes Einzelnen.
Das Gehen schafft einen formalen Rahmen
Gehen als ruhiger Rhythmus, passives bei sich sein.
Baudelaire dachte nach über das Ewige das sich im Flüchtigen (und gerade im Urbanen) erkennen lässt. Vielleicht sogar eher als im scheinbar Ewigen, wie Pyramiden, oder Himalaya-Gipfeln…

Das Thema “Gehen” hat mich schon vor Jahren interessiert. Hier ein Neonobjekt das im Fenster an einer Durchgangsstraße hing…
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